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Geschultes Auge

Natürlich gibt es reflexartige körpersprachliche Signale, die aus dem Nichts kommen können wie bei Schmerzen oder bei einem plötzlichen Ereignis wie einem Knall wo ein Hund panisch reagiert.


Aber die leisen Kommunikationssignale aus dem Alltag, werden meist gar nicht wahrgenommen.

Dabei sind genau diese viel wichtiger als die lauten.


Laut und Leise

Bellen, Ziehen, Zittern, Hecheln, Meiden oder Abwehr sind keine Signale, die man nicht erkennen kann.

Vielleicht fällt es Menschen schwer, sie in einen Kontext einzuordnen, aber übersehen kann man sie nicht.

Körpersprache ist die sichtbare Aktivität des Nervensystems.

Das Innere, das nach außen kommuniziert.

Körpersprache zeigt durch Ausdruck, Muskeltonus und Blickrichtung, ob ein Hund belastet ist, interessiert, motiviert, überfordert, entspannt oder Schmerzen hat.


Mikrobewegungen, die wir oft verpassen


Es sind frühe, subtile Signale und kurze Veränderungen im Verhalten oder Ausdruck.

Sie sind immer die erste Stufe der Kommunikation.

Diese Mikroveränderungen sind Regulationsversuche des Körpers, um die Situation zu bewerten und sich selbst zu beruhigen.

Und in Millisekunden entgeht uns dann schnell:

ein Schritt zurück oder vorwärts, Züngeln/Lippenlecken, Kopf abwenden, Blinzeln, Gähnen ohne Müdigkeit, leichte Gewichtsverlagerung, den Körper verkleinern, Ohren spitzen oder anlegen oder eine veränderte Atmung.


Erst darauf folgen mittlere und spätere Signale wie Fixieren, Ziehen, Hecheln, Winseln, Bellen, Knurren, Flucht oder Abwehr. Lasst uns aber lernen hinzuschauen, was davor passiert.


Wenn wir die subtilen Signale lesen lernen, können wir Stress verhindern, Regulation fördern, Erregung beeinflussen, Distanz schaffen, Orientierung geben, Lernen ermöglichen und Situationen entschärfen.


Viele der frühen Signale finden jedoch keine Aufmerksamkeit.

Weil unser Auge nicht geschult ist.

Weil sie normal, zufällig oder niedlich wirken.

Weil deutliche Signale erwartet werden.

Weil Hunde Kommunikationssignale überspringen, wenn ihre leisen vorher nicht verstanden wurden.

Und weil Menschen sich auf den Reiz konzentrieren statt auf ihren Hund.


Wenn wir Signale nicht beachten, schaltet das Nervensystem auf schnellere emotionale Bewertung und Bewältigung.


Subtile oder Mikrosignale sind ein Beziehungs- und Bindungsthema zwischen Hund und Mensch.

Denn der Hund lernt: „Ich werde verstanden“ und „ich kann mich auf meinen Menschen verlassen.“

All das stärkt Bindung, Vertrauen, Lernen, Regulation und Sicherheit.


Hunde kommunizieren leise, während Menschen oft laut darauf reagieren. Wenn wir lernen, die leisen Signale zu sehen, müssen Hunde nicht laut werden. Und wir selbst auch nicht.


Liebe und Pfoten gehen raus

Jil

 
 
 

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